Vorstellungsgespräch
© Westend61 / Xavier Lorenzo - picture alliance

Vorstellungsgespräch

Du hast dich beworben, dein Lebenslauf hat überzeugt und jetzt steht das Vorstellungsgespräch an? Wir gratulieren! Doch wie kannst du dich jetzt vorbereiten?
Von Farina Fontane

Vorstellungsgespräch: Dein Guide für die Vorbereitung

Für viele Bewerber:innen ist das Vorstellungsgespräch gleichzeitig der aufregendste und auch der stressigste Teil im gesamten Bewerbungsprozess. Aber keine Sorge: Mit ein bisschen Vorbereitung kannst du selbstbewusst ins Gespräch gehen. Wir geben dir einen Überblick, wie ein Bewerbungsgespräch heute abläuft, welche Fragen oft gestellt werden und was du für die Vorbereitung wissen musst. 🤓

Vorstellungsgespräch: Aufbau und verschiedene Arten

Grundsätzlich gibt es heutzutage zwei verschiedene Arten von Vorstellungsgesprächen:

  • Bewerbungsgespräch in Präsenz: Dabei wird sich ganz klassisch in den Büro-Räumlichkeiten des Arbeitgebers getroffen. 👨‍💼
  • Videointerview: Dabei findet das Gespräch virtuell statt, meist über gängige Anbieter wie Microsoft Teams, Zoom oder Google Meet. 👩‍💻

Telefongespräche ohne Video sind eher unüblich und werden meist nur genutzt, um erste Fragen zu klären. Zu welcher Form des Gesprächs du eingeladen wirst, wird üblicherweise direkt aus der Einladung ersichtlich.  

Auch wenn jedes Vorstellungsgespräch unterschiedlich ist, so ähneln sie sich doch zumindest im Aufbau

  • Begrüßung und Small Talk
  • Die Arbeitgeberseite stellt Fragen
  • Du hast Zeit, Fragen zu stellen
  • Verabschiedung

Wie bereitest du dich auf das Vorstellungsgespräch vor?

Auch wenn ein Bewerbungsgespräch keine Prüfung ist, solltest du dich zumindest auf eventuelle Fragen vorbereiten. Informiere dich gründlich über das Unternehmen und die Personen, mit denen du das Interview führst (soweit bekannt). Üblicherweise sind von der Unternehmensseite mindestens zwei Personen da, die dir Fragen stellen werden. Wichtig ist, dass du die Stationen deines Lebenslaufs kennst und frei erzählen kannst, was du alles schon gemacht hast.

Wichtig: Hab dabei immer die Stelle im Blick, um die es geht und hebe besonders die Erfahrungen hervor, die für die Position nützlich sind.   

Bereite dich grundsätzlich auf diese Bereiche vor, damit du weißt, was du beim Vorstellungsgespräch alles sagen solltest: 

  • Motivation: Du solltest erklären können, warum du den Job willst.
  • Kompetenzen: Du solltest deutlich machen, welche Skills du einbringst.
  • Erfahrungen: Nenne Praktika, Projekte, Nebenjobs oder relevante Schulprojekte, wenn sie zur Stelle passen.
  • Eigene Fragen: Überlege auch du dir Fragen, die du stellen willst, zum Beispiel „Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrem Unternehmen aus?“

Noten sind nicht unwichtig, aber viele Arbeitgeber achten stark auf Motivation und Werte, die jemand hat und auf die Teamfähigkeit. Hast du hier also starke Argumente, kannst du gegebenenfalls auch trotz mittelmäßiger Noten punkten. Und auch Kommunikationsfähigkeiten und Lernbereitschaft sind meist wichtiger als rein fachliches Wissen. 

Was sind typische Fragen im Vorstellungsgespräch?

Einige Fragen kommen in fast allen Bewerbungsgesprächen vor, weshalb es nicht schadet, wenn du dich auf diese vorbereitest:

  • Warum haben Sie sich bei uns beworben?
  • Welche Stärken können Sie bei uns einbringen?
  • Was sind Ihre Schwächen?

Auch „Erzählen Sie uns etwas über sich“, ist ein gerne gewählter Einstieg in ein Vorstellungsgespräch. In Bewerbungsgesprächen für einen Ausbildungsplatz wird auch häufig noch nach dem Lieblingsfach in der Schule gefragt. Damit soll geschaut werden, wo Interessen liegen.

Von daher sollte die Antwort sinnvoll begründet werden: „Ich mochte Mathe, da ich das logische Denken hinter Mathematikaufgaben mag.“ 👉 Passend für eine Ausbildung zum Bankkaufmann/-frau.  

Oder „Mein Lieblingsfach war Deutsch, da ich Kommunikation spannend finde und mich gerne mit Sprache beschäftige.“ 👉 Passend für eine Ausbildung als Kaufmann/-frau für Marketingkommunikation. 

Es gibt auch „Stressfragen“, die in Vorstellungsgesprächen gerne gestellt werden, zum Beispiel: 

  • „Warum sollten wir gerade Sie nehmen?“
  • „Sie haben hier eine Phase von drei Monaten im Lebenslauf, in der „berufliche Neuorientierung“ steht, was haben Sie in der Zeit genau gemacht?“
  • „Warum haben Sie Ihren letzten Job gekündigt?“
  • „Wie gehen Sie mit Fehlern um?“
  • oder: „Was war der letzte Fehler, den Sie gemacht haben?“

Auch wenn diese Fragen erstmal ein ungutes Gefühl auslösen, geht es dabei nicht darum, dich bloßzustellen. Vielmehr wollen Personaler:innen wissen, wie du in stressigen Situationen reagierst. Bleibe ruhig und antworte ehrlich.  

Oft sind außer den Personalverantwortlichen auch noch Führungskräfte mit im Vorstellungsgespräch, zum Beispiel dein:e zukünftige:r Chef:in. Auch sie können im Laufe des Gesprächs Fragen stellen und interessieren sich meist besonders dafür,  

  • wie du Entscheidungen triffst,
  • wie du im Team arbeitest
  • und ob du Eigeninitiative zeigst.

Tipp: Am besten bereitest du dafür zwei bis drei konkrete Beispiele aus der Schulzeit, aus einem Praktikum oder einem Nebenjob vor. Das wirkt glaubwürdig und macht es auch dir einfacher zu antworten. 💡

Welche Schwächen sollte man im Vorstellungsgespräch nennen?

Mit einer Frage nach deinen Schwächen wollen Personalverantwortliche wissen, ob du dir dieser bewusst bist und wie du mit ihnen umgehst. Mit unseren Tipps kannst du souverän mit der Frage umgehen:

  • Nenne keine extremen oder besonders kritischen Schwächen wie „Ich komme immer zu spät“. Auch „Ich bin zu perfektionistisch“ kommt nicht gut an, da es wie eine Stärke wirkt, die du als Schwäche verkaufst.
  • Nenne Schwächen, an denen du noch arbeitest, wie „Ich präsentiere nicht so gerne vor anderen, weil ich dann immer nervös bin, aber ich will daran arbeiten und es üben, damit ich mich damit zukünftig wohler fühle.“ oder „Manchmal bin ich sehr direkt, wodurch ich schon mal Personen vor den Kopf gestoßen habe, aber ich achte verstärkt darauf, wie ich Dinge sage und formuliere jetzt sensibler.“
  • Achte darauf, nichts zu nennen, das den Anforderungen der Stelle in die Quere kommt.
  • Schwächen wie „Ich arbeite zu viel“ wirken unglaubwürdig.

Mit Selbstreflexion kannst du hier punkten, ebenso damit, dass du an dir arbeitest. 

Welche Kleidung ist die richtige für ein Vorstellungsgespräch?

Auch heutzutage ist die richtige Kleiderwahl immer noch ein wichtiger Punkt für ein Vorstellungsgespräch. Du solltest gepflegt gekleidet sein und lieber etwas zu schick als zu lässig. Business Casual lautet der Stil, der für die meisten Bewerbungsgespräche passend ist, also Stoffhose, Hemd und gegebenenfalls ein Sakko für Jungs sowie Stoffhose oder knielanger Rock mit einer Bluse und gegebenenfalls einem Blazer oder einer Strickjacke für Mädels. Die Schuhe sollten sauber und elegant sein.  

Beachte jedoch auch, in welcher Branche du dich bewirbst. Während es für einen Ausbildungsplatz in einer Bank als Mann auch üblich ist, im Anzug zu erscheinen, kannst du für ein Vorstellungsgespräch in einem Pflegeberuf auch mit einer gepflegten, dunklen Jeans und einem Polo-Shirt kommen. In modernen Betrieben oder kreativen Branchen ist auch modische Kleidung okay, solange sie gepflegt und etwas schicker ist.

Außerdem wichtig sind: 

  • Körperpflege und eine gepflegte Frisur/ein gepflegter Bart
  • keine grellen Farben oder großen Muster
  • keine bauchfreie oder tief ausgeschnittene Kleidung
  • keine ausgelatschten, schmutzigen Sneaker oder Trainingskleidung
  • kein übertriebenes Makeup oder auffälliger Schmuck

Die 10 goldenen Regeln für das Vorstellungsgespräch

Unabhängig von dem, was du im Vorstellungsgespräch mit deinem hoffentlich zukünftigen Arbeitgeber besprichst, gibt es einige goldene Regeln für das Drumherum, die du beachten solltest:

  1. Erscheine pünktlich! Sei lieber zehn bis 15 Minuten früher da als zu spät.
  2. Trage saubere und gepflegte Kleidung, die zum Anlass und zum Unternehmen passt.
  3. Tritt freundlich und offen auf.
  4. Halte Blickkontakt und erwidere einen festen Händedruck.
  5. Ein Getränkeangebot solltest du immer annehmen, da das Ablehnen als unhöflich empfunden werden kann. Entscheide dich für etwas, das dein Gegenüber leicht zubereiten kann wie Kaffee oder Wasser.
  6. Bleibe höflich, auch bei schwierigen Fragen.
  7. Höre zu und rede nicht nur. Wenn du länger ausholst, um etwas zu erzählen oder zu klären, baue kurze Pausen ein, damit deine Gesprächspartner:innen gegebenenfalls einhaken können.
  8. Bereite eigene Fragen vor, um Interesse zu signalisieren.
  9. Nenne Beispiele und behaupte nicht einfach nur, dass du diese Skills oder jene Erfahrungen hast.
  10. Schreibe nach dem Gespräch eine kurze Dankes-E-Mail. So bleibst du im Gedächtnis.

Übe dein Vorstellungsgespräch

Frag deine Eltern, Geschwister oder Freund:innen, ob sie das Vorstellungsgespräch mit dir üben. Sie können dir die typischen Fragen eines Vorstellungsgesprächs stellen und in die Rolle der Personalverantwortlichen schlüpfen. Gib ihnen dafür die Stellenausschreibung zu lesen, damit sie wissen, worauf es im Gespräch ankommt. Übe ruhig zwei- oder dreimal, bis du dich sicher und gut vorbereitet fühlst. 

Und wichtig: Wenn du nach einem Vorstellungsgespräch eine Absage erhältst, ist das schade, aber nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen. Sieh den Prozess als Übung und mit jedem Bewerbungsgespräch wirst du routinierter werden.  

Checkliste für dein Vorstellungsgespräch

Nutze diese Checkliste für deine Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch: 

  • Informationen über das Unternehmen sammeln (Webseite, Presse, Social Media)
  • Stellenanzeige erneut lesen und die genauen Anforderungen notieren
  • Antworten auf typische Fragen üben
  • deine Stärken und Wünsche kennen
  • eigene Fragen an das Unternehmen überlegen
  • Kleidung checken
  • bei Online-Interviews: Technik wie Kamera, Mikrofon und Internet checken
  • Gesprächssituation vorher üben

So kannst du mit einem guten Gefühl in dein Bewerbungsgespräch gehen. 👩‍💼👨‍💻