Duales Studium
Duales Studium: So ist es aufgebaut
Von Farina Fontaine
Du hast Abi oder Fach-Abi? Gute Voraussetzungen für ein duales Studium, mit dem du Theorie und Praxis kombinieren kannst.
Was ist ein duales Studium?
Ein duales Studium kombiniert ein Studium an einer Hochschule mit der praktischen Arbeit in einem Betrieb. Du bist als nicht nur Student:in, sondern arbeitest auch fest in einem Unternehmen, mit allem, was dazu gehört: Vertrag, Aufgaben, Verantwortung und Bezahlung. Der Ablauf eines dualen Studiums ist in der Regel wie folgt:
- Du hast Theoriephasen an der Hochschule oder Berufsakademie. 🎓
- Du hast Praxisphasen im Unternehmen. 🖥️
- Beide Teile sind aufeinander abgestimmt. 💪
- Kurz und knapp: Theorie + Praxis = duales Studium. 📚💰
Und genau diese Kombi macht den Weg so spannend. Welche Voraussetzungen es für ein duales Studium gibt und welche Vor- und Nachteile dieser Weg bietet, schauen wir uns jetzt näher an.
Warum ist ein duales Studium so beliebt?
Das duale Studium ist in Deutschland immer beliebter geworden. Während sich im Wintersemester 2017/2018 rund 115.000 Studierende für diesen Weg entschieden haben, waren es im Wintersemester 2023/2024 bereits knapp 142.000.
Das duale Studium ist so beliebt, da es viele Vorteile bietet:
- Du sammelst praktische Erfahrungen. 👩🔬
- Du verdienst Geld. 💶
- Du sammelst wertvolle Kontakte und hast nach deinem Abschluss relevante berufliche Erfahrungen vorzuweisen, die dir den Einstieg in den Job leichter machen. 👥
- Oft werden duale Student:innen von ihrem Betrieb nach dem Abschluss sogar direkt übernommen. 🚀
- Da dein Studium nicht nur Praxisphasen bietet, sondern eine direkte Integration eines Ausbildungsberufs parallel zum Hochschulalltag, hast du nach Ende der Zeit zwei Abschlüsse: Einen Bachelor und einen anerkannten Ausbildungsberuf. 👨🎓💼
- Über deine Krankenversicherung, Rentenversicherung und weiteren Sozialversicherungen musst du dir keine Gedanken machen, denn über deinen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen ist alles abgedeckt. 🏥
- Du lernst nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch Soft Skills wie Selbstorganisation und Zeitmanagement.⏱️
All das setzt einen guten Rahmen, sodass du nach Erwerb deines Abschlusses auf die Arbeitswelt vorbereitet bist.
Welche Modelle des dualen Studiums gibt es?
Es gibt drei Arten des dualen Studiums, die du kennen solltest:
- Ausbildungsintegriertes Studium: Dabei machst du ein Studium und eine klassische Ausbildung gleichzeitig. Am Ende hast du dann einen Bachelor-Abschluss und einen anerkannten Ausbildungsabschluss.
- Praxisintegrierendes Studium: Bei dieser Variante studierst du und hast viele Praxisphasen im Betrieb, erhältst aber parallel keine klassische Berufsausbildung. Am Ende hast du einen Bachelor und viel Berufserfahrung.
- Berufsintegrierendes Studium: Diese Variante ist etwas für dich, wenn du schon arbeitest. In diesem Fall werden Studium und dein Beruf so kombiniert, dass du eine neue Qualifikation erlangst, die dich dann in deinem Unternehmen weiterbringt. Die Verzahnung erfolgt in enger Abstimmung und meist kannst du erlernte Inhalte direkt anwenden.
Theoretisch kannst du dein Studium auch berufsbegleitend machen und zum Beispiel abends oder am Wochenende an einer Hochschule studieren, während du bereits im Job bist. Diese Variante zählt aber nicht direkt als duales Studium, da die Inhalte hierbei nicht miteinander verzahnt werden und die beiden Bereiche Studium und Job unabhängig voneinander passieren.
Welchen Abschluss brauchst du für ein duales Studium?
Für ein duales Studium brauchst du eine Hochschulzulassung, also Abitur oder Fach-Abitur. Mittlere Reife reicht für ein duales Studium nicht.
Eine weitere Voraussetzung für ein duales Studium ist ein Vertrag mit einem Betrieb. Für ein ausbildungsintegriertes Studium brauchst du einen Ausbildungsvertrag und für ein praxisintegriertes Studium einen Praxisvertrag. 📝
Wie sieht der Alltag in einem dualen Studium genau aus?
Du kennst jetzt die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten des dualen Studiums, die Vorteile und die Zugangsvoraussetzungen. Was für viele immer noch schwer vorstellbar ist, ist der genaue Ablauf eines dualen Studiums. Wann hat man Uni? Wann muss man arbeiten? Und hat man zwischendurch auch mal frei?
Es gibt verschiedene Zeitmodelle eines dualen Studiums. Die häufigsten sind das Blockmodell und das Wochenmodell.
Blockmodell: Dabei hast du längere Blöcke, in denen sich Arbeit und Studium abwechseln. Üblich ist dabei zum Beispiel, dass du dein Studium in den ganz normalen Semesterzeiten absolvierst und dann in den Semesterferien deine Praxisblöcke im Unternehmen hast und arbeitest. In der Regel hast du dann immer im Wechsel drei bis vier Monate Uni Hochschule und dann wieder zwei bis drei Monate Arbeit im Unternehmen.
- Vorteil: Während der jeweiligen Phasen musst du dich entweder nur auf dein Studium oder nur auf deinen Job konzentrieren.
- Nachteil: Dadurch, dass du teilweise lange aus dem Unternehmen raus bist, verpasst du möglicherweise wichtige Entwicklungen.
Wochenmodell: Bei diesem Modell hast du jede Woche sowohl Vorlesungen an der Hochschule als auch Arbeitstage im Betrieb. Beispiel: Von Montag bis Mittwoch bist du an der Hochschule und studierst. Donnerstag und Freitag bist du im Betrieb und arbeitest.
- Vorteil: Du bist sowohl im Studium als auch im Unternehmen immer auf dem Laufenden und kannst Wissen aus Theorie und Praxis direkt in den anderen Bereich mit einbringen.
- Nachteil: Du hast immer beides parallel laufen, was manchmal stressig sein kann.
Frei hast du an den Wochenenden, auch wenn es sein kann, dass du dann mal lernen musst. Semesterferien gibt es bei einem dualen Studium nicht, die Arbeit im Unternehmen läuft weiter. Du bekommst aber mit deinem Arbeitsvertrag Urlaubstage wie jede:r Arbeitnehmer:in, die du dann über das Jahr verteilt nehmen kannst.
💡 Tipp: Konkrete Beispiele findest du in unseren Studiengangsvorstellungen. Suche im duale Studiengänge A bis Z nach Studiengängen, die dich interessieren. Sieh dir anschließend den dargestellten Aufbau an, beispielsweise für das duale BWL-Studium.
Wie lange dauert ein duales Studium?
Ein duales Studium dauert in der Regel zwischen drei und fünf Jahre. Das sind sechs bis zehn Semester. Nach dieser Zeit hast du dann einen Bachelor und wenn du ein ausbildungsintegriertes Studium gemacht hast auch eine anerkannte, abgeschlossene Berufsausbildung.
Einen Master kannst du nach dem Bachelor-Abschluss auch noch machen. Einige Unternehmen bieten duale Masterstudiengänge an. Auch ein berufsbegleitender Master ist möglich, falls du nach dem Bachelor direkt in Vollzeit in den Job einsteigst. Masterstudiengänge dauern üblicherweise nochmal vier Semester, also zwei Jahre.
Welche Nachteile hat ein duales Studium?
Die Vorteile eines dualen Studiums haben wir dir bereits aufgezählt, es gibt aber auch einige Nachteile, die du kennen solltest. Denn ein duales Studium ist intensiv und zeitaufwendig. Du absolvierst schließlich zwei Ausbildungen gleichzeitig und der typische Student:innen-Lifestyle mit Backpacken in den Semesterferien und Party unter der Woche kann schwierig werden, wenn du zusätzlich zum Studium in einem Unternehmen arbeitest.
Auch hast du durch die Bindung an ein Unternehmen wenig Möglichkeiten, noch weitere Praktika zu machen und Berufserfahrung in anderen Bereichen zu sammeln. Mit einem dualen Studium wird außerdem der Wechsel schwierig, falls du merkst, dass dir dein Studienfach nicht zusagt, da du an einen Arbeitsvertrag gebunden bist. Es könnte sogar sein, dass du Studiengebühren zurückzahlen musst, falls dein Arbeitgeber diese für dich übernimmt. Kurse und Prüfungen zu schieben und einfach ein Semester länger zu studieren, ist in einem dualen Studium auch nur schwer möglich.
| Vorteile ✅ | Nachteile ❌ |
|---|---|
| Du sammelst praktische Erfahrung. | Du bist eng getaktet und hast eine hohe Arbeitsbelastung. |
| Du kannst mehrere Abschlüsse erwerben. | Du lebst nicht das typische Studi-Life. |
| Du verdienst Geld. | Du hast wenig Möglichkeiten über den Tellerrand zu schauen und über Praktika andere Bereiche kennenzulernen. |
| Du hast gute Übernahmechancen. | Du hast keine Semesterferien. |
| Du kannst früh wertvolle Kontakte sammeln. | Du kannst nur schwer das Fach wechseln. |
| Für deine Sozialversicherungen ist gesorgt. | Der Stundenplan ist stark vorgegeben und du hast wenig Entscheidungsfreiheit. |
Wo kann man dual studieren?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wo du ein duales Studium absolvieren kannst. Möglich ist ein Studium an einer:
- Universität
- Fachhochschule
- Berufsakademie
- Dualen Hochschule
Ein duales Studium findest du hier:
- Über Online-Informationsplattformen wie den Stellenmarkt und das A-Z für duale Studiengänge von next step.
- Über Praxispartner von next step.
- Über Jobbörsen.
- Über Hochschulen und Berufsakademien.
Wie läuft die Bewerbung für ein duales Studium ab?
Grundsätzlich ist die Bewerbung für ein duales Studium vom Aufbau nicht anders als die Bewerbung für einen Ausbildungsplatz. Du brauchst:
- deinen Lebenslauf
- ein Anschreiben
- Zeugnisse
- Bescheinigungen
- optional sind ein Bewerbungsfotos sowie Arbeitsproben
Checkliste: Wann eignet sich ein duales Studium für dich?
Ein duales Studium eignet sich für dich, wenn du:
- Praxis willst und nicht nur Theorie
- schon früh Berufserfahrung sammeln willst (kommt super im Lebenslauf)
- dir finanzielle Unabhängigkeit wünschst
- du Verantwortung und echten Arbeitsalltag magst
- du kein Problem mit einem höheren Workload hast
- du gleich zwei Abschlüsse auf einmal erwerben möchtest
- du den theoretischen Stoff aus dem Studium direkt anwenden möchtest
Nicht ideal ist ein duales Studium für dich, wenn du flexibel und frei lernen und deine Zeit gestalten möchtest. ☝️