Zweiter Bildungsweg
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Der zweite Bildungsweg an der VHS

Du willst deinen Schulabschluss nachholen oder aufwerten? Auf dem zweiten Bildungsweg ist das möglich.
Von Farina Fontane

Wenn du keinen Schulabschluss hast oder einen höheren Schulabschluss erreichen willst, bist du definitiv nicht allein. Viele junge Erwachsene sehen beim Thema „Zweiter Bildungsweg“ erstmal nur Fragezeichen, weil es so viele Wege und Möglichkeiten gibt. Wir erklären dir, was dir der zweite Bildungsweg alles eröffnen kann, wie genau dir eine Volkshochschule oder Abendschule dabei helfen kann und wie das alles genau abläuft.

Was bedeutet genau „Zweiter Bildungsweg“?

Der zweite Bildungsweg ist eine Chance für Menschen, einen versäumten Schulabschluss nachzuholen oder ihren vorhandenen Schulabschluss noch aufzuwerten. Du kannst auf dem zweiten Bildungsweg zum Beispiel:

  • einen Hauptschulabschluss nachholen,
  • einen Realschulabschluss nachholen,
  • oder dein Abitur machen.

Dabei gehst du aber nicht mehr wie früher in die „normale“ Schule, sondern besuchst bestimmte Bildungseinrichtungen. Dort absolvierst du Kurse, die dich auf die Prüfung für den Schulabschluss vorbereiten.

Warum solltest du dich für den zweiten Bildungsweg entscheiden?

Dein Schulabschluss ist entscheidend für deinen weiteren Lebensweg. Je höher dein Schulabschluss, desto:

  • bessere Job-Perspektiven
  • höhere Gehälter

Manchmal fällt es in jungen Jahren schwer, den Wert von Schule und einem Schulabschluss zu erkennen oder bestimmte Umstände im Aufwachsen sorgen dafür, dass es zu einem Bruch im Bildungsweg kommt. Doch spätestens, wenn es dann darum geht, einen Job zu finden und eigenes Geld zu verdienen, wird der Schulabschluss relevant.

Eckhard Rodemer, Geschäftsführer der Volkshochschule Lüneburg, bestätigt die Relevanz eines Schulabschlusses, indem er sagt, dass es „nur mit einem Schulabschluss möglich [ist], ein selbstbestimmtes Leben zu führen“. Denn „nur mit einem Schulabschluss ist eine Ausbildung möglich“, sagt er, und nur so kann in einem spezialisierten Beruf statt in Hilfsjobs gearbeitet werden.

Und selbst wer zum Beispiel einen Realschulabschluss gemacht hat und eigentlich gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz hat, kommt möglicherweise irgendwann nochmal ins Grübeln. Denn wer vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt im Leben noch studieren möchte, kommt nicht drumherum, das Fachabitur oder Abitur nachzuholen, denn das sind die Zugangsvoraussetzungen für Fachhochschulen oder Universitäten.

Volkshochschule (VHS): Was ist das genau?

Die VHS, Abkürzung für Volkshochschule, ist ein in Deutschland stark verbreitetes Bildungsangebot. 827 Volkshochschulen gibt es in Deutschland, mit über 2.700 Außenstellen. Es handelt sich dabei nicht um private Einrichtungen, sondern um öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Einrichtungen.

Volkshochschulen richten sich an Menschen jeden Alters und haben das Ziel, Lernen für alle zugänglich zu machen. Viele kennen die VHS durch Angebote für Hobby- oder Sprachkurse. Doch sie bietet auch Kurse für das Nachholen von Schulabschlüssen an, was dann als zweiter Bildungsweg bezeichnet wird. Die VHS bereitet auf die staatliche Prüfung zum Hauptschulabschluss, Realschulabschluss oder Abitur vor, mit deren Bestehen der Abschluss dann offiziell anerkannt ist.

Eine Besonderheit ist, dass Volkshochschulen junge Erwachsene dort abholen, wo sie damals mit der Schule aufgehört haben. Rodemer von der VHS Lüneburg beschreibt, wie die Volkshochschule mithilfe von Vorbereitungskursen vor den eigentlichen Schulkursen auch die sozialen Bedürfnisse der Schüler:innen berücksichtigen will. Sie ermöglichen das Lernen in kleinen Gruppen und sorgen für eine familiäre Atmosphäre.

„Sozialpädagogische Betreuung ist ein ganz wesentlicher Punkt“, so Rodemer, der sagt, dass sie gute Erfahrungen mit Vorbereitungskursen vor dem eigentlichen Kursbeginn gemacht haben, die einen gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhang für die Teilnehmenden herstellen. Es gehe darum, „auf das Individuum einzugehen und eine individuelle Anpassung an den Lernbedarf vorzunehmen“, so der Lüneburger VHS-Geschäftsführer.

Wer sind die Menschen, die sich für den zweiten Bildungsweg an der Volkshochschule entscheiden?

Eckhard Rodemer beschreibt, dass zu ihnen an die VHS Lüneburg hauptsächlich „Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 25 Jahren kommen, die den Hauptschul- oder Realschulabschluss nachholen möchten.“

Häufig handelt es sich dabei um „Personen mit Migrationserfahrung, die Sprach- und Bildungshürden abbauen möchten.“ Doch auch „Wiedereinsteiger, die nach längeren Bildungslücken wieder in den Lernprozess einsteigen und Menschen, die im regulären Schulsystem negative Erfahrungen gemacht haben“, entscheiden sich für den zweiten Bildungsweg an einer Volkshochschule, so Rodemer.

Grundsätzlich stehen die Volkshochschulen für jede:n offen.

Wie läuft der Kurs in der Volkshochschule ab?

Die Kurse an der Volkshochschule machen dich üblicherweise fit in den Grundfächern. Wenn du zum Beispiel das Abitur nachholen willst, wählst du an der Volkshochschule wie auch in der „normalen“ Schule deine Pflicht- und Wahlfächer.

Es gibt Angebote, die abends oder am Wochenende stattfinden und die berufsbegleitend oder neben der Betreuung von Kindern wahrgenommen werden können. Dabei handelt es sich dann üblicherweise um einen Kurs in Teilzeit. Es gibt auch Vollzeit-Angebote, bei denen die Kurse dann tagsüber stattfinden.

Je nachdem, welches Modell gewählt und welcher Schulabschluss nachgeholt werden soll, dauern die Kurse an der Volkshochschule zwischen einem und drei Jahren. Die Prüfung erfolgt üblicherweise auch in den Räumlichkeiten der Volkshochschule und wird von Regelschul-Lehrer:innen abgenommen, die in der Prüfungskommission sitzen, erklärt Rodemer. Bestehst du die Prüfung und erwirbst deinen Abschluss, kannst du dich damit anschließend auf eine Ausbildung oder je nach Abschluss sogar auf ein Studium bewerben.

Wie viel kosten die Kurse an der Volkshochschule?

Viele Kurse im Rahmen des zweiten Bildungswegs sind kostenfrei oder kosten nur geringe Gebühren für Lehrmaterialien. Es gibt aber auch Angebote, bei denen du mehrere hundert Euro pro Semester bezahlst.

Als Beispiel: An der Volkshochschule Lüneburg kosten die Kurse 169 Euro pro Monat, bei einer zehnmonatigen Kursdauer, so Rodemer.

Informiere dich vorher bei der Volkshochschule deiner Wahl, mit welchen Kosten du rechnen musst. Üblicherweise steht der Preis für einen Kurs online direkt dabei, wenn du dir die Details dazu anschaust.

Tipp: Es ist unter bestimmten Umständen möglich, für den zweiten Bildungsweg BAföG zu beantragen. Dabei handelt es sich um elternunabhängiges BAföG, das du beantragen kannst, wenn du vorher eine Ausbildung gemacht oder gearbeitet hast. Die Höhe des BAföGs richtet sich nach der Regelung des Schüler-BAföGs. Alternativ gibt es für die Kursgebühren auch finanzielle Unterstützung durch die Bundesagentur für Arbeit oder an einigen Volkshochschulen sogar einen eigenen Bildungsfonds, mit dem der zweite Bildungsweg ermöglicht wird, so VHS-Geschäftsführer Rodemer.

Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es für Volkshochschulen?

Um mit dem zweiten Bildungsweg eine neue Chance wahrzunehmen, musst du nicht viele Voraussetzungen erfüllen. Die einzige Bedingung ist, dass du deine Regelschulpflicht erfüllt hast. Ansonsten sind diese Angebote extra darauf ausgelegt, dass es keine Hürde gibt, an ihnen teilzunehmen. Sie sollen Bildungsgleichheit und Chancengerechtigkeit ermöglichen und Teilnehmenden, die im Regelschulsystem frühzeitig ausgeschieden sind, eine zweite Chance bieten.

Du musst dich für einen solchen Kurs auch nicht aufwendig bewerben. Melde dich einfach über die Website direkt bei der Volkshochschule an und im Anschluss bekommst du dann alles, was du wissen musst, per Mail zugeschickt.

Wichtig: Du solltest Deutsch auf Sprachniveau B2 beherrschen, sonst wird es laut VHS-Geschäftsführer Rodemer schwierig, den Schulabschluss zu erlangen.

Wann starten die Kurse an den Volkshochschulen?

Die Kurse an Volkshochschulen starten grundsätzlich zu festgelegten Daten. Meist gibt es viele Starttermine im Jahr, zu denen du mit den verschiedenen Kursen beginnen kannst. Die Daten, wann welcher Kurs stattfindet, sind dann immer im Voraus festgelegt, sodass du gut planen kannst. Wann genau der Kurs startet, für den du dich interessierst, solltest du auf der Website der Volkshochschule in deiner Nähe nachsehen.

☝️Hier findest du die am nächsten zu dir gelegene Volkshochschule und kannst dich dann auf der jeweiligen Website zu den einzelnen Kursen informieren.

Was macht die VHS so besonders?

Die VHS als Lernort für den zweiten Bildungsweg hat einige Vorteile:

  • sie ist oft kostengünstig
  • sie ist sehr flexibel, da sowohl Abend- und Teilzeitkurse als auch Vollzeitkurse möglich sind
  • sie bereitet dich auf offizielle Prüfungen vor, mit denen du einen Schulabschluss erlangst
  • häufig gibt es in der VHS umfassende Beratung oder Unterstützung für Lernende sowie sozialpädagogische Betreuung

Sie ist geeignet für:

  • Schulabgänger:innen
  • Junge Erwachsene ohne Schulabschluss
  • Menschen, die neben ihrer Ausbildung oder neben ihrem Job lernen wollen

Wenn du eine zweite Chance möchtest oder deine Perspektiven verbessern willst, dann könnte der zweite Bildungsweg an der VHS etwas für dich sein.

Welche anderen Institutionen gibt es für den zweiten Bildungsweg?

Die Volkshochschule ist nicht die einzige Möglichkeit, einen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Eine weitere beliebte Möglichkeit ist die Abendschule. Es gibt Abendgymnasien, Abendrealschulen, Abend-Fachschulen und vieles mehr und wie der Name schon sagt, findet der Unterricht an Abendschulen abends statt. Das ermöglicht es berufstätigen Menschen, Arbeit und Schule parallel zu machen. Volkshochschulen können auch als eine Art Abendschule bezeichnet werden.

Wie läuft die Abendschule ab?

Der Besuch einer Abendschule dauert je nach angestrebtem Abschluss unterschiedlich lange. So musst du für das Abitur länger die Abendschule besuchen, als wenn du einen Hauptschulabschluss machen willst:

  • Hauptschulabschluss: 1 Jahr
  • Realschulabschluss: 2 Jahre
  • Abitur: 3 bis 4 Jahre

Der Unterricht findet meist an zwei bis drei Abenden in der Woche statt. Die Klassengröße beträgt üblicherweise zwischen 15 und 20 Schüler:innen, es können aber auch weniger sein.

Private Abendschulen sind in der Regel kostenpflichtig, mit Gebühren von 50 bis 300 Euro im Monat oder auch mehr. Informiere dich bei der Abendschule, für die du dich interessierst, wie viel es dort kostet, den von dir angestrebten Abschluss nachzuholen.

Die Zeit an einer Abendschule wird mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen und der Abschluss ist dann deutschlandweit anerkannt, sodass du dich damit überall auf eine Ausbildungsstelle oder ein Studium bewerben kannst.

Schulabschluss ohne Kursbesuch nachholen? Das geht!

Eine weitere Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen, ist mit einer Externenprüfung ohne vorherigen Besuch eines Kurses an einer Abendschule oder VHS. Dabei erfolgt das Lernen komplett in Eigenregie. Um eine Externenprüfung abzulegen, musst du dich beim Kultusministerium deines Bundeslandes anmelden. Die Prüfung wird dann üblicherweise an einer Regelschule abgenommen.

5 schnelle Tipps für deinen Start in den zweiten Bildungsweg

Mit diesen Tipps startest du schon bald in deine zweite Chance:

  1. Recherchiere den Start des passenden Kurses frühzeitig auf der Homepage der VHS oder Abendschule in deiner Nähe.
  2. Frag nach einem Beratungstermin.
  3. Informiere dich über die Finanzierung.
  4. Leg dir ein Ziel fest, wie „In zwei Jahren will ich meinen Realschulabschluss schaffen.“
  5. Bleib dran, auch wenn es manchmal hart ist: Der Abschluss öffnet dir viele Türen.

💡Insbesondere die Volkshochschulen sind für den zweiten Bildungsweg beliebt, denn sie machen Bildung für alle zugänglich. Sie sind oft kostengünstig und helfen dir dabei, deine Zukunft selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.

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