Ein duales Studium kombiniert ein Studium mit der praktischen Arbeit im Unternehmen. Du bist Student:in und Angestellte:r zugleich, bekommst oft eine Vergütung und sammelst wertvolle Erfahrung bereits während deines Studiums. Die Bewerbungsfrist für ein duales Studium ist unterschiedlich und auch die Herangehensweise kann verschieden sein.
Wie bewirbst du dich richtig?
Um dich für ein duales Studium zu bewerben, musst du zuerst deinen Praxispartner finden, bei dem du den Ausbildungsteil deines dualen Studiums machen willst. Mit Praxispartner ist ein Unternehmen oder ein Betrieb gemeint, in dem du als Angestellte:r zeitgleich zur Studienzeit arbeitest. Du brauchst für ein duales Studium immer einen Studiengang an einer Hochschule UND ein Unternehmen, in dem du arbeitest. Suche dir zuerst das Unternehmen und dann die Hochschule.
Wie findest du passende Stellen?
- In Jobbörsen, zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit
- Auf den Websites der Hochschulen oder in Studiendatenbanken
- Auf Karrieremessen
Über dein Netzwerk und Empfehlungen von Freund:innen oder Lehrkräften
💡 Tipp: Im Informationsbereich „Duales Studium“ bei der Bundesagentur für Arbeit erhältst du eine Übersicht über zahlreiche Hochschulen in ganz Deutschland, die dir die Möglichkeit für ein duales Studium bieten.
Wir empfehlen dir, dich gleich in mehreren Unternehmen zu bewerben, denn das erhöht deine Chance auf eine Zusage.
Wie sollten deine Bewerbungsunterlagen aussehen?
Eine typische Bewerbung für ein duales Studium sieht so aus:
Anschreiben
Erkläre in deinem Anschreiben, warum du dich ausgerechnet für dieses Unternehmen und dieses duale Studium interessierst. Erläutere welche Erfahrungen, Fähigkeiten, Interessen und Eigenschaften du mitbringst und wie du diese im Unternehmen einbringen kannst.
Lebenslauf
Du brauchst einen tabellarischen chronologischen Lebenslauf mit deinen Schulstationen, Praktika, relevanten Nebenjobs und sonstigen Fähigkeiten.
Zeugnisse
Füge deiner Bewerbung Zeugnisse wie dein Abiturzeugnis, dein Abschlusszeugnis oder Praktikumsnachweise bei.
Optional
Je nach Unternehmen kannst du deiner Bewerbung für das duale Studium auch noch ein Motivationsschreiben oder Arbeitsproben beifügen. Ein langes Motivationsschreiben ist aber üblicherweise keine Pflicht. Informiere dich diesbezüglich am besten bei den Unternehmen und bei der Hochschule, was erwartet wird. Falls du ein Motivationsschreiben einreichen musst, sollte dieses dein Interesse am dualen Studium klar begründen und deine persönliche Motivation überzeugend darstellen. Relevante Qualifikationen, Erfahrungen oder deine beruflichen Ziele kannst du beispielhaft erläutern und dann in Bezug zum dualen Studium setzen.
Du kannst dich entweder per E-Mail oder über das Bewerber:innenportal des jeweiligen Unternehmens bewerben (wenn vorhanden).
Welche Voraussetzungen gibt es für ein duales Studium?
Diese Voraussetzungen für ein duales Studium gibt es:
- Hochschulzugangsberechtigung: Du brauchst eine Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur oder Fachabitur, je nachdem ob du an einer Universität oder einer Fachhochschule studieren willst.
- Arbeitsvertrag: Du benötigst einen Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen.
- Assessment-Center: Gegebenenfalls musst du Auswahltests wie ein Assessment-Center bestehen – darauf gehen wir später nochmal ein.
- Noten: Unter Umständen können Noten in bestimmten Fächern oder der Numerus Clausus (steht auf den Seiten der Hochschulen oft als NC) relevant sein. Da die Bewerbung aber über ein Unternehmen erfolgt und nicht direkt an der Hochschule, ist der Notenschnitt meist nicht so wichtig, auch wenn gute Noten deine Chancen selbstverständlich erhöhen können.
- Sprachniveau: Falls du kein:e deutsch:e Muttersprachler:in bist, solltest du mindestens das Sprachniveau C1 haben.
Falls du weder Abitur noch Fachabi hast: Es gibt auch die Möglichkeit, ohne Abitur ein duales Studium zu absolvieren. Was die genauen Zugangsvoraussetzungen ohne Abitur sind, ist je nach Bundesland und Hochschule unterschiedlich. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, einem Meistertitel oder einschlägiger Berufserfahrung kann es aber trotzdem klappen. Häufig musst du dann eine Eignungsprüfung oder ein Probestudium machen, die dann darüber entscheiden, ob du zugelassen wirst.
Welche Fristen gibt es bei der Bewerbung für ein duales Studium?
Im Gegensatz zu einem klassischen Studium gibt es für duale Studienplätze keine einheitliche Bewerbungsfrist. Viele Unternehmen schreiben duale Studienplätze, die zum Wintersemester – also im Oktober – beginnen, ein Jahr vorher aus, teilweise sogar anderthalb Jahre.
Wenn du also beispielsweise im Oktober 2028 ein duales Studium beginnen möchtest, solltest du idealerweise ab April 2027 anfangen, dich nach Stellen umzusehen und erste Bewerbungen zu verschicken.
Merke dir diese Faustregel: In den Osterferien bewerben und im Jahr drauf im Herbst starten.
Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?
Der typische Ablauf eines Bewerbungsprozesses für ein duales Studium ist wie folgt:
- Du reichst deine Unterlagen beim Unternehmen ein.
- Du erhältst entweder eine Einladung für ein Telefon- oder Videointerview oder für ein persönliches Vorstellungsgespräch. Gegebenenfalls wird auch nur ein Eignungstest versendet und ein kurzes Telefoninterview geführt.
- Wenn es im Bewerbungsprozess vorgesehen ist, wirst du anschließend zu einem Assessment Center oder Einstellungstest eingeladen.
- Eventuell folgt darauf nochmal ein persönliches Gespräch.
- Im letzten Schritt erhältst du eine Zu- oder Absage.
Gut zu wissen: Wenn du eine Zusage erhältst, hilft dir das Unternehmen in der Regel auch bei der Bewerbung an der Hochschule oder übernimmt diese sogar für dich.
Was ist ein Assessment-Center?
Ein Assessment-Center ist ein Auswahlverfahren, mit dem Unternehmen herausfinden möchten, ob du gut zu ihnen passt. Ein Assessment-Center besteht üblicherweise aus verschiedenen Teilen und umfasst:
- Gruppenaufgaben wie zum Beispiel Teamarbeit oder Diskussionen
- Einzelübungen wie zum Beispiel die Selbstpräsentation
- Rollenspiele
- Tests zu Logik, Fachwissen oder Sprache
Meist werden die Teilnehmer:innen eines Assessment-Centers währenddessen von geschulten Psycholog:innen oder Mitarbeiter:innen beobachtet. Ein Assessment-Center kann nur wenige Stunden dauern, aber auch den ganzen Tag. Die Anzahl der Teilnehmenden variiert dabei stark. Oft sind es kleine Gruppen, aber es gibt auch Einzel-Assessment-Center, in denen du alleine getestet wirst. Somit kannst du in einem Assessment-Center entweder alleine sitzen oder mit zwei bis vier anderen Personen oder auch mit 15 bis 20 anderen Personen. Es gibt keine pauschale Personenzahl und die Angaben dazu gehen weit auseinander, da das jede Firma anders handhabt.
Wichtig: Bei einem Assessment-Center geht es nicht nur um Fachwissen, sondern um deine Arbeitsweise, deine Art zu kommunizieren und wie du dich präsentierst.
Wie meisterst du das Assessment-Center?
Ein Assessment-Center meisterst du, indem du dich gründlich vorbereitest und übst:
- Informiere dich über das Unternehmen.
- Übe typische Aufgaben wie zum Beispiel das Präsentieren.
- Schaue dir online Beispiele für Assessment-Center an, wie zum Beispiel Logik-Aufgaben oder Sprachtests. Bei der Bundesagentur für Arbeit findest du solche Übungen.
Während des Assessment-Centers gilt es einige Verhaltensregeln zu beachten.
- Sei pünktlich, stets freundlich und aufmerksam.
- Zeige, dass du im Team arbeiten kannst, aber lass auch andere zu Wort kommen.
- Versuche so authentisch wie möglich zu wirken und präsentiere dich im besten Fall ruhig und strukturiert.
Dass du vorher aufgeregt und währenddessen unsicher bist, ist normal. Doch du musst nicht alles perfekt machen. Für die Prüfer:innen zählt mehr, wie du Aufgaben angehst und nicht nur das Ergebnis und du kannst ein Assessment-Center auch dann bestehen, wenn du im Wissenstest nicht alle Aufgaben richtig hast oder dich beim Präsentieren mal verhaspelst. Und sollte es beim ersten Versuch nicht klappen, sieh das Assessment-Center als Übung an und bereits beim zweiten Mal wirst du dich etwas sicherer fühlen.
Checkliste für deine Bewerbung für ein duales Studium
Mit dieser Checkliste bekommst du nochmal auf einen Blick alle Informationen, die du für deine Bewerbung für ein duales Studium brauchst:
- Suche dir ein oder mehrere Unternehmen aus, bei denen du gerne den Praxisteil deines dualen Studiums absolvieren willst. Bei der Agentur für Arbeit kannst du nach konkreten Stellenangeboten recherchieren.
- Kümmere dich frühzeitig um deine Bewerbungen, am besten anderthalb Jahre im Voraus.
- Gehe sicher, dass du alle Zulassungsvoraussetzungen wie beispielsweise die Hochschulreife erfüllst.
- Stelle deine Bewerbungsunterlagen vollständig zusammen, mit Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnissen und gegebenenfalls noch einem Motivationsschreiben.
- Bereite dich auf ein eventuelles Assessment-Center vor.
- Lass dir nach einer Zusage vom Unternehmen bei der Bewerbung an der Hochschule helfen.
Diese Fehler solltest du bei der Bewerbung für ein duales Studium vermeiden
Bei einer Bewerbung für ein duales Studium gibt es einige Stolperfallen, die du vermeiden solltest. Dazu zählen:
- Ein zu allgemeines Anschreiben, das keinen Bezug zum gewählten Unternehmen hat.
- Eine zu späte Bewerbung.
- Fehlende Unterlagen wie zum Beispiel Zeugnisse.
- Keine Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch oder das Assessment-Center.
Je besser deine Vorbereitung ist, desto sicherer wirkst du. Und genau das kommt bei Unternehmen gut an.



