Ben Berger, Tischlermeister und Creator
© Philip Gärtner

„Wie soll man wissen, was man für 40 Jahre machen möchte?“

Ben Berger brach sein Studium ab und wurde Tischler. Heute ist er selbstständig und verrät seine wichtigsten Tipps zur Berufswahl.

Nach drei Jahren Anglistik- und Geografiestudium musste sich Ben Berger die Frage stellen: Will ich diesen Plan wirklich verfolgen? Inzwischen hat er seinen eigenen Handwerksbetrieb, eine Tischlerei, und zeigt sich sowie seine Arbeit auf Instagram und TikTok. Hier erzählt er, warum es sich lohnt, deinen eigenen Weg zu gehen:                 

Moin,

ich bin Ben Berger, 30 Jahre alt mittlerweile, und lebe heute nach vielen Jahren der Ungewissheit meinen Traum als selbstständiger Tischler und Content-Creator.    

Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, dann wirkt er im Nachhinein oft gerader, als er sich damals angefühlt hat. Direkt nach dem Abitur bin ich den klassischen Weg gegangen: Studium, Anglistik und Geografie, insgesamt drei Jahre. Und ich mochte das auch wirklich – das Lernen, das Denken, die Inhalte. Aber irgendwann kam bei mir ein Punkt, an dem ich gemerkt habe: Die Perspektive, die Planbarkeit, dieses „So sieht dein Leben in fünf bis zehn Jahren aus“, hat sich nicht mehr richtig angefühlt.

Den entscheidenden Schritt habe ich dann eher aus dem Bauch heraus gemacht – während ich in Kalifornien war. Ich habe mich dagegen entschieden weiterzumachen, ohne genau zu wissen, was danach kommt. Und plötzlich stand ich erstmal ohne festen Plan da. Kein klarer nächster Schritt, keine Sicherheit, eher ein großes Fragezeichen.

Gleichzeitig hatte ich einen Nebenjob auf einer Burg, die meiner Familie gehört. Dort habe ich zum ersten Mal richtig gemerkt, wie gut es mir tut, körperlich zu arbeiten. Etwas mit den Händen zu machen, direkt zu sehen, was entsteht. Irgendwann hat sich daraus – ziemlich überraschend – der Gedanke entwickelt: Warum eigentlich nicht eine Schreiner-Ausbildung?

Ich hatte davor kein Praktikum gemacht, nichts „ausprobiert im klassischen Sinn“. Vielleicht nicht die beste Vorbereitung, aber trotzdem die richtige Entscheidung für mich. Und heute würde ich sagen: Genau dieses Hineinfühlen war entscheidend.

Was ich daraus mitgenommen habe: Es ist oft leichter herauszufinden, was man nicht will, als sofort zu wissen, was man will. Und genau dieses „Ausschließen“ kann extrem helfen, den eigenen Weg einzugrenzen. In einer Zeit mit unendlich vielen Möglichkeiten ist das vielleicht sogar der ehrlichere Startpunkt.

Ich glaube, wir machen uns oft zu viel Druck. Schule vermittelt schnell das Gefühl, man müsse nach dem Abschluss schon den kompletten Lebensplan kennen. Aber wie soll man wissen, was man für 40 Jahre machen möchte, wenn man gerade erst anfängt, sich selbst wirklich kennenzulernen?

Für mich war einer der wichtigsten Schritte, den ursprünglichen Weg zu verlassen, obwohl er „vernünftig“ wirkte. Es hat Mut gebraucht, aber noch mehr das Vertrauen, dass es okay ist, etwas zu verändern, wenn es sich nicht richtig anfühlt. Und ja – Unsicherheit gehört dabei immer dazu. Auch wenn es von außen manchmal so aussieht, als gäbe es einen Masterplan, gab es den bei mir nie.

Heute würde ich meinem jüngeren Ich vor allem sagen: Mach dir weniger Druck. Informier dich, probier Dinge aus, hör auf dein Gefühl – und hab keine Angst davor, Wege zu wechseln. Am Ende bist du der Mensch, der mit deiner Entscheidung lebt; nicht die Schule, nicht die Erwartungen anderer.

Und genau deshalb lohnt es sich, den eigenen Weg wirklich selbst zu schreiben.

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