Luis Bauer Next Step
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„To(d)tal lebendig“ – Bestatter Luis Bauer im Interview

Luis Bauer ist zugleich Bestatter und Content Creator. Warum gerade das Einbalsamieren von Verstorbenen zu seinen Lieblingsaufgaben gehört, erzählt er im Interview.
Von Johanna Ahrbecker

1. Was war dein größter „Das habe ich nicht kommen sehen“-Moment im Berufsleben?

Mein größter „Das habe ich nicht kommen sehen“-Moment war, als ich gerade dabei war in den Feierabend zu starten. Und dann hat noch jemand angerufen. Es war ein Mann, der seine verstorbene Frau noch einmal ganz kurz sehen wollte. Nur ganz kurz. Und ich hab‘ gemeint: „Ja klar, gerne morgen. Da können wir einen Termin ausmachen.“ Aber es war ihm wichtig, dass er heute noch kommt. Und dann habe ich mir gedacht, okay, ich mach ihm nochmal die Lichter an und fahre seine verstorbene Frau rüber, im Sarg, in die Abschiedslounge. Und dann ist er an dem Nachmittag zu uns gekommen, ist an den Sarg gegangen … und hat ihr zum Geburtstag gratuliert. Und ich stand daneben und dachte, woah krass, das hab‘ ich gar nicht auf dem Schirm gehabt. Das habe ich nicht kommen sehen. Sie hätte ihren Geburtstag also fast noch erlebt, aber das hat dann eben nicht mehr hingehauen.

2. Welche Aufgabe würdest du sofort an jemanden abgeben und warum?

Ich habe viele verschiedene Aufgaben, vom Abholen der Verstorbenen bis hin zum Waschen und Einbalsamieren. Es macht alles auf seine eigene Weise Spaß. Trotzdem gebe ich jede Aufgabe auch gerne ab. Denn, so lernt man Kolleginnen und Kollegen an und der Betrieb kann sich weiterentwickeln.

3. Welche Aufgabe könntest du den ganzen Tag machen?

Den technischen Part, also die Versorgung von Verstorbenen, beispielsweise die Einbalsamierung. Warum? Weil das sehr handwerklich ist und man damit wirklich was bewirken kann. Die Verstorbenen sehen am Ende merklich besser aus. Sie sind nicht mehr so blass, haben keine Verfärbungen mehr an den Ohren – das ist häufig ein Unterschied von Tag und Nacht. Und das hat auf der emotionalen Ebene am Ende eine große Wirkung bei den Angehörigen. Das dann auch noch zu sehen, ist besonders schön.

4. Wodurch geriet deine Social Media Karriere richtig ins Rollen?

Erstmal durch das erste TikTok-Video, das viral ging. Das war aber nur der Anfang. Tatsächlich war es ein Zeitungsartikel – die Fürther Nachrichten haben über mich geschrieben – der die Lawine ins Rollen gebracht hat. Die ist seitdem auch nicht mehr zum Stehen gekommen. Danach kamen weitere Anfragen, zum Beispiel von der Frankfurter Allgemeine.

5. Was ist dir das Wichtigste im Leben?

Das Wichtigste ist, dass man ganz am Ende des Tages bei den meisten Dingen, die man macht, Spaß hat. Und, dass man sich möglichst in einem Umfeld mit Menschen aufhält, die man gern hat. Außerdem sollte man versuchen, so viel wie möglich aus dem Leben selbst rauszuholen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Doch es ist sehr wichtig, denn man hat nur ein Leben und das kann schneller vorbei sein, als man denkt.

6. Wenn dein Berufsleben eine Netflix-Doku wäre, wie würde sie heißen?

„To(d)tal lebendig“.

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