Viele Schulabgänger:innen fühlen sich von der Flut an vorhandenen Infos erschlagen und haben erstmal keinen Plan, was sie machen sollen. Hier bekommst du einen klaren Überblick ganz ohne Fachchinesisch, was die beiden Wege Duales Studium und Ausbildung kennzeichnet.
Duales Studium vs. Ausbildung: Was ist der Unterschied?
Nach dieser Frage wird jeden Monat Tausende Male in den Suchmaschinen gesucht. Kein Wunder, denn sie ist entscheidend für den Berufseinstieg. Um zu verstehen, wofür du dich entscheidest, musst du erst einmal den Unterschied zwischen einer Ausbildung und einem dualen Studium kennen.
Duales Studium
Ein duales Studium ist eine Kombination aus einem Studium an einer Hochschule und der Arbeit in einem Unternehmen. Es handelt sich also um eine Mischung aus Theorie und Praxis, wobei der Theorieteil im Vergleich zu einer klassischen Ausbildung aber überwiegt. Üblicherweise dauert ein duales Studium drei Jahre und du erwirbst in der Zeit dann nicht nur einen Bachelor, sondern auch schon wichtige Berufserfahrung. Ein Pluspunkt ist, dass du auch ein Gehalt bekommst, das dir der Praxisbetrieb zahlt. Häufig bezahlen sie auch deine Studiengebühren.
Wichtig: Ein duales Studium ist keine Ausbildung, das heißt du erwirbst am Ende keine Berufsbezeichnung wie „Industriekaufmann/-frau“. Ziel eines dualen Studiums ist ein Bachelor-Abschluss.
Ausbildung
Bei einer Ausbildung arbeitest du in einem Betrieb und gehst zusätzlich in die Berufsschule. Dadurch ist dein Alltag sehr von praktischen Erfahrungen geprägt und weniger von Theorie als in einem dualen Studium. Eine Ausbildung dauert meist zwei bis drei Jahre und du erhältst dann einen anerkannten Berufsabschluss wie zum Beispiel Industriekaufmann/-frau, Mediengestalter:in oder Mechatroniker:in. Vergütet wirst du für deine Arbeit auch, mit einem Azubi-Gehalt. Dieses steigt in den meisten Ausbildungsberufen mit jedem Lehrjahr an.
Noch mal auf einen Blick:
| Duales Studium | Ausbildung | |
|---|---|---|
| Lernformat | Mehr Theorie, weniger Praxis | Mehr Praxis, weniger Theorie |
| Dauer | 3 Jahre | 2 bis 3 Jahre |
| Abschluss | Bachelor | Anerkannter Berufsabschluss |
| Gehalt | Wird vom Unternehmen festgelegt | Azubi-Gehalt |
Kurz gesagt:
- Duales Studium 👉 akademischer Abschluss + Praxiserfahrungen.
- Ausbildung 👉 Schneller im Job, sehr praxisorientiert
Duales Studium oder Ausbildung: Was passt besser zu mir?
Wenn du überlegst, was besser zu dir passt, stell dir selbst folgende Fragen:
Will ich viel Praxis und direkt in einen Beruf einsteigen oder auch Uni-Feeling?
- Ausbildung = Mehr Praxis, weniger Theorie.
- Duales Studium = Viel Theorie + Praxiserfahrungen.
Bin ich bereit für ein eher vollgepacktes Programm?
- Ein duales Studium ist zeitlich straffer.
Will ich möglichst früh eigenes Geld verdienen?
- Beides bietet Gehalt, bei einem dualen Studium ist dieses oft höher.
Brauche ich später vielleicht einen Bachelor für meinen Traumjob?
- Ein duales Studium bietet dir beides: Arbeitserfahrung + Bachelor.
- Du kannst aber auch nach einer Ausbildung noch studieren, das dauert aber selbstverständlich in Summe länger als ein duales Studium.
Kann ich eigenständig lernen?
- In einer Ausbildung werden Aufgaben häufig klargestellt und die Praxis steht im Vordergrund.
- Im Studium musst du dir vieles auch selbst erarbeiten. Prüfungen, Klausuren, lernen und sich reinhängen sind essenzieller Bestandteil eines Studiums. Dafür muss man der Typ sein.
Weiß ich schon, was ich später für einen Beruf ausüben möchte?
- Mit einer Ausbildung schlägst du bereits eine deutliche Richtung ein, da sie zu einem klaren Berufsbild führt.
- Mit einem dualen Studium legst du primär eine Grundlage, mit der du danach viele Möglichkeiten hast und dich für verschiedene Berufe entscheiden kannst.
Möchte ich später Führungsverantwortung übernehmen?
- Für viele Führungspositionen ist ein Studium beziehungsweise ein Bachelorabschluss hilfreich.
- Mit einer Ausbildung plus Weiterbildung kannst du trotzdem Karriere machen, aber der Weg dauert manchmal länger.
Wichtig: Nur, weil du jetzt etwas entscheidest, heißt das nicht, dass du das bis an dein Lebensende machen musst. Klar, die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium ist wichtig. Aber, um dir ein bisschen den Druck zu nehmen: Mach dir klar, dass du immer nochmal umsatteln kannst oder auch nach einer Ausbildung noch zum Studieren an eine Hochschule gehen kannst. Ziele und Wünsche dürfen sich weiterentwickeln.
Welches duale Studium lohnt sich heute noch?
Welches duale Studium die besten Zukunftschancen hat, lässt sich in Anbetracht des heutigen Fachkräftemangels sowie der Entwicklung in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) und Digitalisierung recht deutlich ableiten:
- MINT: Die MINT-Studiengänge (also Mathematik, Information, Naturwissenschaften und Technik) sind schon lange hoch im Kurs, wenn es um zukunftssichere Jobs geht. Der Fachkräftemangel in diesem Feld ist groß und auch in Zukunft werden in diesem Bereich spannende Berufsbilder entstehen. Die IT-Branche zählt als eine der sichersten für die Zukunft, KI und Software sind wichtige Schlagworte in dem Bereich. Du kannst zum Beispiel Informatik oder Wirtschaftsinformatik studieren und bist damit gut aufgestellt. Auch das Ingenieurwesen gilt als zukunftsträchtig, denn sowohl die Mobilität der Zukunft als auch die Energiewende kommen ohne dieses Fachwissen nicht aus.
- Soziale Arbeit: Auch in den sozialen Berufen wird es perspektivisch eine immer größere Nachfrage geben, da die deutsche Gesellschaft immer älter wird und der Pflegebedarf zunimmt. Mit einem dualen Studium im Bereich Soziale Arbeit und zum Beispiel den Schwerpunkten Gesundheit- und Pflegemanagement bist du daher gut aufgestellt.
- Betriebswirtschaftslehre: BWL klingt nach dem klassischen Studium, ist aber immer gefragt. Gerade, wenn du dich auf die Bereiche Logistik, Finanzen oder Digitalisierung spezialisierst, wirst du später gute Job-Aussichten haben.
Warum gerade diese Bereiche?
- Die Digitalisierung schreitet kontinuierlich voran.
- KI verändert gerade viele Branchen und Jobs.
- Der Fachkräftemangel ist groß, insbesondere in den Bereichen IT, Technik und Gesundheit.
Kann man nach einer Ausbildung noch studieren?
Auf jeden Fall kannst du mit einer abgeschlossenen Ausbildung noch studieren, das machen sogar viele Azubis. Neben einem Vollzeit-Studium ist auch ein berufsbegleitendes Studium nach der Ausbildung möglich. Hast du eine Ausbildung und ein Vollzeit-Studium in der Tasche, bist du in der Regel attraktiv für den Arbeitsmarkt, da du sowohl umfassende praktische als auch akademische Erfahrungen gesammelt hast.
Weniger üblich ist, noch eine Ausbildung nach dem Studium zu machen, da die meisten dann eher direkt in einen (meist besser bezahlten) Job einsteigen und dort noch mehr Praxiserfahrung sammeln. Grundsätzlich ist aber auch das möglich.
Willst du Ausbildung und Studium gleichzeitig machen, ist ein duales Studium für dich die beste Wahl.
Braucht man für eine Ausbildung Abitur?
Für die meisten der über 300 Ausbildungsberufe, die es gibt, brauchst du kein Abitur. Mit Abitur stehen dir aber alle Ausbildungsberufe offen. Besonders beliebt bei Abiturient:innen sind Ausbildungen für diese Berufe:
- Industriekaufleute
- Bankkaufleute
- Kaufleute für Marketing oder E-Commerce
- Gesundheits- und Pflegeberufe
- IT-Berufe
- Technische Ausbildungen wie Mechatronik oder Elektronik
Es gibt sogar Ausbildungsberufe, für die Abitur eine Zugangsvoraussetzung ist, darunter:
- Pilot:in
- Fluglots:in
- eine Ausbildung im gehobenen Dienst bei der Polizei oder beim Zoll
Es gibt aber auch genug Ausbildungsplätze, für die du nicht zwingend Abitur brauchst. Mit der Hochschulreife hast du jedoch in der Regel die besseren Chancen und stichst unter den Bewerber:innen ohne Abitur hervor.
Ausbildung oder Studium: Was bringt dir mehr?
Ob dir eine Ausbildung oder ein Studium mehr bringen, kommt darauf an, was du willst:
Eine Ausbildung lohnt sich, wenn …
- du direkt in den Beruf einsteigen willst, ohne viel Theorie.
- du lieber praktisch arbeitest.
- du möglichst früh unabhängig sein willst.
- du Berufe wie Kaufleute, Handwerk, IT-Fachkraft oder Gesundheitsberufe anstrebst.
Ein duales Studium lohnt sich, wenn …
- du sowohl Theorie als auch Praxis willst.
- du motiviert bist, eigenverantwortlich lernen kannst und ein gutes Zeitmanagement hast.
- du später Führungsaufgaben möchtest.
- du weißt, in welcher Branche du langfristig landen willst.
Kurzes Fazit zum Selbstcheck
Wir hoffen, dass du jetzt ein bisschen mehr ein Gefühl dafür bekommen hast, was duales Studium versus Ausbildung bedeutet. Mit einem kurzen Selbstcheck kannst du dich nochmal prüfen:
- Arbeitest du gerne praktisch? ➡️ Ausbildung
- Willst du praktische Erfahrungen sammeln, aber später auch mal Karriere und Verantwortung?➡️ Duales Studium
- Interesse an zukunftsträchtigen Branchen? ➡️ IT, Technik, Gesundheit, BWL. Sowohl mit einer Ausbildung als mit einem dualen Studium hast du in diesen Bereichen starke Chancen.
Überleg dir zusätzlich:
- Wie lernst du am liebsten, mit viel Praxis oder mit mehr Theorie?
- Wie wichtig ist es dir, schnell in den Beruf einzusteigen?
- Willst du dir später alle Karrierewege offenhalten?
Am Ende zählt: Was motiviert dich? Was macht dir Spaß? Wenn du das herausfindest, bist du schon deutlich weiter als viele Schulabgänger:innen, die einfach irgendwas wählen, weil sie gar keinen richtigen Plan haben.
Und egal, welchen Weg du wählst: Es gibt nicht die eine richtige Entscheidung. Es gibt nur die Entscheidung, die jetzt gerade am besten zu dir passt und sich jetzt am besten anfühlt und die kannst du jederzeit weiterentwickeln, wenn sich deine Ziele ändern sollten.



