Du bist mit der Schule fertig oder fast fertig und denkst dir: „Okay, und was jetzt?“ Ausbildung? Fachabi? Berufsschule? Berufsfachschule? Keine Sorge, mit diesen Gedanken bist du nicht allein. Viele Schulabgänger:innen fühlen sich im Dschungel aus Begriffen und Möglichkeiten erst mal lost. Was die Berufsfachschule genau ist, erklären wir dir in diesem Artikel ohne Fachchinesisch und mit den wichtigsten Antworten auf deine Fragen.
Was ist eine Berufsfachschule?
Eine Berufsfachschule ist eine schulische Ausbildung. Du besuchst eine Berufsfachschule im Anschluss an die „normale“ Schule. Die Besonderheit ist, dass du für einer Berufsfachschule weder Berufserfahrung benötigst, noch über einen Ausbildungsplatz verfügen musst. Unterschieden wird zwischen vollqualifizierenden Berufsfachschulen und teilqualifizierenden Berufsfachschulen.
Vollqualifizierende Berufsfachschule:
- Du gehst in Vollzeit zur Schule.
- Du lernst dort einen bestimmten Beruf oder ein Berufsbild.
- Du bekommst theoretisches Wissen plus Praxis vermittelt.
- Am Ende erhältst du einen staatlich anerkannten Berufsabschluss.
Teilqualifizierende Berufsfachschule:
- Du erhältst eine berufliche Grundbildung.
- Du lernst die Grundlagen eines Berufsfeldes, aber keinen vollständigen Beruf.
- Der Schwerpunkt liegt auf Basiswissen und Praxis.
- Praktika sind ein häufiger Teil der teilqualifizierenden Berufsfachschule.
- Das Ziel ist es, dich auf eine anschließende Ausbildung oder einen weiterführenden Bildungsgang vorzubereiten.
Wichtig zu wissen: Nicht jede Berufsfachschule ist gleich. Was genau gelehrt wird, die Dauer sowie welchen Abschluss du machen kannst, unterscheidet sich je nach Schule und je nach Bundesland.
Auf der von Bund und Ländern getragenen Website Bildungsserver.de findest du Berufsfachschulen in allen Bundesländern. Auch bei der Bundesagentur für Arbeit kannst du dich immer informieren.
Kann man an einer Berufsfachschule die Fachhochschulreife erwerben?
In einer Berufsfachschule wird nicht nur deine berufliche, sondern auch deine allgemeine Bildung vertieft. Du kannst auch einen höheren Schulabschluss erwerben, wie den Realschulabschluss oder sogar die Fachhochschulreife, also Fachabitur, mit dem du anschließend an einer Fachhochschule studieren könntest. Dafür sind meist gute Noten erforderlich sowie das Ablegen einer zusätzlichen Prüfung. Die Begriffe Fachhochschulreife und Fachabi werden oft synonym genutzt, meinen aber dasselbe.
Wichtig: Falls du die 12. Klasse abgeschlossen hast, hast du nicht automatisch die Fachhochschulreife. Für die volle Fachhochschulreife, also das Fachabi, mit dem du dann an einer Fachhochschule studieren kannst, brauchst du noch Praxiserfahrung.
Für wen ist die Berufsfachschule geeignet?
Der Besuch einer Berufsfachschule passt gut zu dir, wenn du:
- nach dem Hauptschulabschluss oder der Realschule nicht direkt eine Ausbildung machen willst.
- berufliche Orientierung bekommen möchtest.
- einen schulischen Weg bevorzugst.
- die Fachhochschulreife erlangen willst.
- deine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt verbessern willst.
Du findest dich in einem oder mehreren dieser Punkte wieder? Super, damit ist der erste Schritt schon mal gemacht.
Was ist der Unterschied zwischen Berufsfachschule, Berufsschule und Berufskolleg?
Die verschiedenen Schularten werden gerne verwechselt. Wir klären auf:
- Eine Berufsfachschule bietet eine schulische Ausbildung, bei der du keinen Ausbildungsplatz benötigst. Sie ist ideal, wenn du noch keinen Ausbildungsplatz hast.
- Eine Berufsschule ist Teil einer dualen Ausbildung. Du kannst sie nur besuchen, wenn du einen Ausbildungsplatz hast und besuchst sie dann parallel zu deinem Job im Ausbildungsbetrieb, um dort theoretisches Fachwissen zu lernen.
- Das Berufskolleg ist eine Schulform und keine eigene Form der Ausbildung. Verschiedene Bildungsgänge wie die Berufsfachschule oder die Fachoberschule laufen unter dem Oberbegriff Berufskolleg zusammen. Ein Berufskolleg kann also eine Berufsfachschule sein, muss es aber nicht unbedingt. Auf einem Berufskolleg kannst du je nach Bildungsgang auch die Fachhochschulreife erwerben, aber das trifft nicht auf jedes Berufskolleg und nicht für jede Fachrichtung zu.
Wichtig: Nicht jede Schule und Schulform hat in jedem Bundesland den gleichen Namen, sondern die Begriffe können unterschiedlich sein.
Was ist der Unterschied zwischen einer Berufsschule und einer berufsbildenden Schule?
Berufsbildende Schule ist ein Oberbegriff für verschiedene Schulformen. Dazu gehören:
- Berufsfachschule
- Berufsschule
- Berufliches Gymnasium
- Fachoberschule
Allen diesen Schulformen ist gemein, dass sie auf eine berufliche Qualifikation abzielen. Eine Berufsschule ist nur eine dieser Schulformen und Teil einer Ausbildung.
Für welche Berufsfelder ist eine schulische Ausbildung typisch?
In diesen Berufsfeldern erfolgt die Ausbildung häufig schulisch:
- Erziehung und Sozialwesen mit Berufen wie Kinderpfleger:in, Erzieher:in, Heilerziehungspfleger:in oder Sozialassistent:in.
- Gesundheit und Pflege mit Berufen wie Logopäd:in, Ergotherpeut:in, Pflegefachassistent:in oder Physiotherpeut:in.
- IT und Gestaltung mit Berufen wie Informationstechnische:r Assistent:in, Gestaltungstechnische:r Assistentin oder Mediengestalter:in Digital und Print.
- Wirtschaft und Verwaltung mit Berufen wie Wirtschaftsassistent:in, Kaufmännische:r Assistent:in oder Fremdsprachenkorrespondent:in.
- Technische Berufe wie Chemisch-Technische:r Assistent:in, Physikalisch-Technische:r Assistent:in oder Biologisch-Technische:r Assistent:in.
- Künstlerische Berufe wie Tänzer:in, Schauspieler:in, Bühnenkünstler:in, Zirkusartist:in oder Musicaldarsteller:in.
Es gibt zwar auch andere Wege, in diese Berufe einzusteigen. So kann man zum Beispiel auch mit einer dualen Ausbildung Mediengestalter:in Digital und Print werden oder auch nach einem BWL-Studium als Wirtschaftsassistent:in arbeiten, allerdings geht es in den meisten Berufen im Gesundheitsbereich oder Sozialwesen nicht ohne Praxiserfahrung.
Welche Zugangsvoraussetzungen muss man für den Besuch einer Berufsfachschule erfüllen?
Welche Kriterien du erfüllen musst, um eine Berufsfachschule besuchen zu können, hängt von der jeweiligen Schule und vom verfolgten Ziel ab. Wenn du eine Berufsausbildung planst, ist die Zugangsvoraussetzung meist ein Realschulabschluss.
Es gibt jedoch auch Bildungsgänge, bei denen ein Hauptschulabschluss ausreicht. In einem solchen Fall erreichen Schüler:innen dann mit dem erfolgreichen Berufsabschluss auch den mittleren Schulabschluss, wenn der Gesamtnotendurschnitt in der Berufsfachschule bei mindestens 3,0 lag.
Je nach Fachbereich kann es für die Zulassung auch noch zusätzliche Aufnahmevoraussetzungen geben. Auf den Websites der jeweiligen Berufsfachschulen oder in einem Gespräch vor Ort erfährst du, welche Voraussetzungen das sind.
Weiterhin berücksichtigen musst du folgende Voraussetzungen:
- Du darfst nicht vorbestraft sein.
- Du musst die Aufnahmevoraussetzungen für den von dir gewählten Bildungsgang erfüllen.
- Du musst deine Bewerbung im Rahmen der Bewerbungsfrist einreichen.
Kannst du hinter all diese Zugangsvoraussetzungen ein Häkchen machen, dann könnte eine Berufsfachschule für dich eine Option sein.
Falls du dir Gedanken machst, wie schwierig die Berufsschule ist, sei unbesorgt. Du musst nicht am ersten Tag alles wissen, sondern lernst alles Schritt für Schritt.
Ist die Berufsfachschule wie Schule?
Die Antwort auf diese Frage ist ein eindeutiges „Jein“. Einerseits ist dein Alltag recht ähnlich:
- Es gibt Klassen.
- Du hast Prüfungen.
- Es gibt Noten.
Ein paar Dinge sind aber grundlegend anders:
- Du bist freiwillig dort.
- Du sammelst konkretes Fachwissen in einem Bereich, in dem du später beruflich arbeiten kannst.
Wenn du dich selbst dafür entscheidest, eine Berufsfachschule zu besuchen, dann ist deine Motivation vielleicht höher als früher in der Schule. Schließlich hast du dich selbst für die Fachrichtung entschieden und gehst somit deinem Interesse nach. Außerdem legst du einen wichtigen Grundstein für deinen späteren Beruf und hast nach der Berufsfachschule viele weiterführende Möglichkeiten.
Wenn du aufmerksam bist, gut mitarbeitest, Praktika ernst nimmst und außerdem Motivation für dein Fach mitbringst, stehen die Chancen hoch, dass du gut durch die Berufsfachschule kommst.
Ist eine Ausbildung besser oder die Berufsfachschule? Deine Checkliste
Falls du dich fragst, welche die bessere Variante ist, deine Zukunft zu gestalten, dann gibt es darauf keine pauschale Antwort. Nutze diese Checkliste, um dir die Frage für dich selbst zu beantworten, denn am Ende kommt es nur auf dich an:
Die Berufsfachschule ist besser für dich geeignet, wenn du:
- dich nach der Schule erstmal orientieren willst.
- schulisch besser lernen kannst.
- einen Abschluss nachholen willst.
- noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hast.
- dich auf einen bestimmten Beruf vorbereiten möchtest.
- deine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt verbessern möchtest.
- feste Stundenpläne und klare Strukturen magst.
Eine Ausbildung ist besser für dich geeignet, wenn du:
- direkt arbeiten möchtest.
- direkt Geld verdienen willst.
- schon weißt, was du machen möchtest.
- gerne praktisch arbeitest und nicht nur Zeit im Klassenzimmer verbringen willst.
- gerne Verantwortung übernehmen möchtest.
- einen klaren Berufseinstieg suchst.
Aber: Beides ist okay, kein Weg ist objektiv besser oder schlechter. Wichtig ist nur, dass deine Wahl zu dir und zu deiner Situation passt.



